Interview mit Weltumsegler Jon Sanders

Interview mit Weltumsegler Jon Sanders

Jon Sanders Interview mit Greg und Sam Newton von Rolly Tasker Sails Australien

Guten Morgen Jon und herzlichen Dank, dass Du Dir heute Zeit für uns nimmst. Wir alle haben bereits viele Artikel über Deine Segelabenteuer, Deine mehrfachen Weltumsegelungen und großartigen Erfolge gelesen. Bisher wurde jedoch wenig über die Segel, mit denen Du auf diesen beeindruckenden Reisen gesegelt bist, geschrieben. Kannst Du uns näheres erzählen?

„Ich benutze Segel von Rolly Tasker Sails seit ich denken kann. In der Tat bin ich bei allen, abgesehen von einer meiner vielen Weltumrundungen, immer mit Segeln von Rolly Tasker gesegelt. Einmal hatten wir Segel von einem anderen Hersteller, aber die waren gesponsert. Danach bin ich meinen Rolly Tasker-Segeln treu geblieben.“

GREG: Warum hast Du Dich ausgerechnet für Segel von Rolly Tasker Sails entschieden, wenn Dir doch sicherlich viele andere Hersteller neue Segel aus Werbezwecken angeboten haben?

„Das fing alles an, als ich ein junger Bursche war und eines Tages Rolly in Perth traf. Er war ein nationaler und internationaler Segelchampion, Olympiasieger – eben ein Weltklassesegler. Er baute nicht nur seine eigenen Schiffe, er designte auch einige davon. Er war ein ziemlich kluger Kerl, der sich für mich, trotz meines jungen Alters, interessierte. Ein wahrer Mentor. Also begann ich selbstverständlich seine Segel zu nutzen und segle mit diesen seit jeher.

Meine Philosophie lautet: Wenn es etwas gibt, das dich um die ganze Welt bringt, ziemlich harten Bedingungen ausgesetzt ist und dabei nicht auseinanderfällt, dich trotz alledem heil zurück nach Hause bringt und immer noch funktioniert – warum sollte ich das austauschen? Ganz klar sind die Segel hochwertige Produkte, die sich im Laufe der Zeit, genauer gesagt seit den seit den 1960ern, bewährt haben.“  

SAM:  Aus welchem Tuch sind Deine Segel auf der Perie Banou II (eine S&S 39) aktuell?

„Also alle Segel sind von Rolly Tasker. Nicht Spezielles, kein schicker Schnick-Schnack. Ich habe ein Großsegel, einige kleine Roll-Vorsegel – eine #3 und #4 – eine Sturmfock und Trisegel, und einige Leichtwindsegel wie Spinnaker. Ich nutze gern meinen Spinnakerbaum oder Jockey Baum, um das Leichtwindsegel auszubaumen, wenn ich vor dem Wind segle. Ich nutze ein Dyneema-Vorstag mit Mehrzweck-System sowie Rutscher, aber ich fahre kein Segel daran. Im Grunde alles um das Rigg zu stabilisieren.

In letzter Zeit nutze ich wegen des besseren Handlings lieber kleinere Vorsegel. Weltumseglungen sind an und für sich kein Wettrennen. Es geht vielmehr um Ausgewogenheit und einfaches Handling. Tatsächlich habe ich vor kurzem meine 130%-Genua auf eine #3 gekürzt, was es mir mit meinen 80 Jahren wesentlich einfacher macht das Schiff zu steuern.“

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SAM: Du erwähntest bereits, dass Du einige Spinnaker von Rolly Tasker besitzt. Liegen derzeit nicht asymmetrische Gennaker im Trend?

„Ja vielleicht, aber ich mag es, Spinnaker auszubaumen und diese einzustellen, wie ich sie brauche. Asymmetrische Gennaker hingegen geben mir nicht die Vor -Wind-Bereiche, die ich mag. Ich versuche solange wie möglich vor dem Wind zu segeln und nicht zu kreuzen. Geht der Wind zu stark Richtung Raumer-Wind, nehme ich lieber ein Vorsegel.“

GREG: Fotos von Deinem Schiff zeigen creme-weiße Segel. Warum creme-weiß und sind diese aus einem besonderen Tuch?

„Es ist ein hochwertiges Dacron-Tuch, eben nur in Beige. Natürlich hatte ich, wie die meisten, für viele Jahre weiße Segel, aber die beigefarbenen reflektieren weniger wie ich finde. Wenn ich da draußen bin, Tag für Tag, strengt mich das Reflektieren der Segel ziemlich an. Ich hatte bereits zwei Operationen wegen des grauen Stars, sicherlich auch aufgrund der starken Blendung durch Wasser und Segel.“

GREG: Es gibt viele Meinungen zu Großsegeln mit kurzen Latten, halb-halb oder durchgelattet. Wie ist Deine Meinung und welche nutzt Du selbst?

„Greg, ich habe alle möglichen Lattungen ausprobiert, aber ich persönlich bevorzuge beim Solo- oder Einhandsegeln kurze Latten oder halb-halb gelattet. Wenn Dir beim durchgelatteten Segel eine Latte am Hals bricht, besteht die Gefahr, dass es das Segel durchbohrt. Dann brauchst du einen ganzen Satz Latten an Bord und musst auf See Dein Segel reparieren.
Wenn Du Regatten fährst ist es eine ganz andere Geschichte, da Du nach der perfekten Segelform und der besten Performance des Segels suchst – hingegen beim Cruising dreht sich alles um Zuverlässigkeit.
Halb-halb gelattete Segel sind ein guter Kompromiss, bei dem Du die Segelfläche etwas vergrößern kannst und gleichzeitig ein gutes Profil im Achterliek hast.“

SAM: Um noch einmal auf Deine neuen Segel für Deine Perie Banou zurückzukommen – was sind Deine wichtigsten Ansprüche?

„Das habe ich den Segeldesignern von Rolly Tasker überlassen. Die wissen was Sie tun, kennen meine Gewohnheiten und Bedürfnisse und bauen Segel, die zu mir passen.“

SAM: Bekommst Du aufgrund Deiner Ansprüche irgendwas Besonderes?

„Nicht das ich wüsste, Sam. Ich nehme ein Tuch aus einem hochwertigen amerikanischen Dacron mit der Spezifikation, welches sie Premium-Offshore nennen. Es sowohl am Kopf, Schothorn sowie den Reffpunkten sehr gut verstärkt. Soweit ich weiß ist das jedoch Standard bei den Premium-Offshore-Segeln von Rolly Tasker.
Meine jetzigen Großsegel sind aus einem 9.5oz Dacron, glaube ich. Es ist ein wenig schwer für die Bootsgröße, aber für meine Zwecke gut geeignet. Polyestersegel sind sehr haltbar und die Segel, die ich bekommen habe, zeigen keine Probleme mit Delamination trotz der klimatischen Extreme, die ich erlebe.

Wie auch immer, ich bestehe auf mein drittes Reff, das dritte sitzt recht hoch, etwa auf halber Höhe des Vorlieks, um mir das Setzen des Trisegels zu ersparen, was ziemlich anstrengend als Einhandsegler bei starken Wellengang sein kann. Ich habe zwar immer ein Trisegel mit an Bord, bin aber froh, wenn ich um das Setzen herumkomme.

Ich finde die Ausstellung des Achterlieks an meinem jetzigen Großsegel etwas zu groß. Das nächste Mal werde ich es etwas kleiner wählen, wieder für ein einfacheres Handling beim Segeln. Vielleicht ein keiner Unterschied zu einem Standardsegel ist, dass bei meinem Segel die Segellattentaschen mit einem sehr engen Stich genäht sind, um keine Latten auf See zu verlieren.“

SAM: Nutzt du Rollrutscher oder gewöhnliche Rutscher?

„Ich nutze solche Rutscher, wie sie ursprünglich auf dem Boot angebracht waren. Rollrutscher machen zu viele Probleme, sie sind nur noch etwas, das kaputt gehen kann. Ich fette die Rutscher mit einer Mischung aus Vaseline und hochwertigem Motorenöl. Das Segel verdreckt dadurch zwar ein wenig, ist dafür aber extrem leichtgängig.“

GREG: Da Deine Reisen normalerweise über Ozeane führen oder Umrundungen sind, nutzt du dafür auch ein zweilagiges Achterliek?

„In der Vergangenheit habe ich kein zweilagiges Achterliek genutzt. Aber mein jetziges Großsegel hat eins. Ich würde es nicht noch einmal wählen, da es einfach zu schwer ist, vor allem bei leichtem Wind steht das Segel nicht gut. Das nächste Mal werde ich wieder zu einem einlagigen Achterliek wechseln. Wie ich bereits sagte, haben die Offshore-Segel von Rolly Tasker standardmäßig eine hohe Festigkeit, welche meiner Meinung nach vollkommen adäquat ist.

GREG: Ich habe gesehen, dass Dein Schiff Parry Endeavour - das Schiff, mit dem Du dreimal non-Stopp um die Welt gesegelt bist - einen sehr kurzen Baum hat. Warum ist das so, Jon?

„Ja, das Schiff segelt übrigens auch komplett mit Segeln von Rolly Tasker Sails. Für das Großsegel baute ich den Mast etwa 3 ft lang, den Baum ebenfalls auf die gleiche Länge wie bei meiner S&S34. Jeder will schneller und schneller segeln. Ich bin da anders. Denk dran, ich bin bei keinem Wettrennen. Es geht um Balance und einfache Steuerung des Bootes. Das bedeutet gleichzeitig ein Minimum an Stress beim Takeln und beim Segeln allgemein.“

SAM: Qualität und Langlebigkeit sind beim Segel wichtige Aspekte für einen Fahrtensegler – Erzähl mir, Jon, über die Probleme, die Du mit Rolly Tasker Segeln bisher hattest.

„Da gibt es nicht so viel zu erzählen, Sam. Der einzige wirkliche Schaden, den ich einmal mit Rolly Tasker Segeln hatte, ist, dass der UV-Schutz-Streifen am Großsegel kaputt ging. Aber das hat lange gedauert bis das passierte und es war eben auch stark im Gebrauch. Ich hatte nie ein Problem mit den Segeln von Rolly Tasker, das meine ich ernst, ich sage das nicht nur so.“

SAM: Würdest du Rolly Tasker Sails weiterempfehlen?

„Ich kann ehrlich sagen: Ja das tue ich. Ich hatte nie ein Problem mit den Segeln von Rolly Tasker Sails während all meiner Reisen, die Dreifachumrundung eingeschlossen. Ich wurde stet gut beraten, der Service war großartig und das Team von Rolly Tasker Sails war stets hilfsbereit.“
 

Übersetzt aus dem englischen Original: Rolly Tasker Sails Germany.  Das Original-Interview können Sie hier einsehen.
 

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